Nachrichten Pur Zensur
Im letzten Jahrhundert etablierte Verlagshäuser Europas sträuben sich
immer häufiger gegen sog. tiefe Verlinkung. Man denkt wehmütig
an die Zeit zurück, zu der man, Zigarre in der einen, Parteispende in der
anderen Hand, das Leben dem eigenen Weltverständnis anpassen konnte.
Bis eines Tages jemand das WWW erfand [ein Ausländer, darf man nicht
vergessen]. Auflagen schrumpften, und damit die wichtigen Werbeeinnahmen.
Als sich das Web nicht als Eintagsfliege erwies, machte man gute Miene zum
nicht verstandenen Spiel und stellte das bisher nur durch baumabholzende
Massnahmen herstellbare Produkt in Form von Bits & Bytes auf einen Server.
Finanziert werden sollte das Ganze durch bunte Bildchen, sog. Banneranzeigen,
die Werbetreibenden durch Mittler verkauft wurden. Mittler und Medien legen
grossen Wert darauf, dass jede Informationseinheit - d.h. Seite, deren
Textlänge oft nur wenige Abschnitte umfasst - durch möglichst viele bunten
Bildchen garniert wird.
Und Mittler und Medien legen grossen Wert darauf, dass der Leser, der wissen
will, ob ein auf dem Webserver gebotener Artikel tatsächlich ein Körnchen
Wahrheit enthält, sich über mühsame - und oft recht erfindungsreich
konstruierte - Umwege an die Seite heranmacht. Denn jeder Seitenaufruf führt
dazu, dass bunte Bildchen mitgeliefert werden. Viele.
Irgendwann merkte jemand, dass Anwender Abkürzungen bevorzugen. Sie gehen
zu einer Site, auf der aktuelle Schlagzeilen vorgestellt werden, die man durch
einen einzigen Click aufrufen kann. Einen einzigen! Das geht, wie am
Schnürchen. Oder wie im Bilderbuch, nur dass die Bilder auf dem Server bleiben.
Wodurch die mühsam zusammengestellten und nicht verifizierbaren Zahlen, die
den Bilder-Verkauf bisher stützten, wieder in den Keller rutschen.
Teufel auch. Zeit für eine Zigarre. Und den Kadi.
Anbieter solcher Dienste, die einfach nicht untergehen wollen, müssen halt
gezwungen werden. Schliesslich kann ein Verlag das Urheberrecht strapazieren,
wenn feststeht, dass der Beklagte dem Kläger finanziell unterlegen ist. Dass
man sich damit, in aller Öffentlichkeit, als für das Informationszeitalter
gänzlich ungeeignet blosstellt, weiss man nicht. Oder ignoriert man.
Langfristig gewinnt immer der Stärkere.
Man prozessiert halt einfach auf Unterlassung tiefer Verlinkung.
Dass es eine solche nicht gibt, ist irrelevant.
Auch wenn es tiefe, hohe,
schräge oder sonstwie qualifizierte Links nicht gibt.
Nicht nur das Urheberrecht wird strapaziert. Oft unterstellt man unnötige
Serverbelastung und damit Beeinträchtigung des Geschäftsbetriebs. Als
ob man bunte Bildchen ohne Serverbelastung liefern könnte. Die Absurdität
der Argumentation wird vollends deutlich, wenn man sich HTTP-Header und
HTML-Gestaltung der von vielen Online-Medien gelieferten Seiten betrachtet
[bewusstseinsverändernde Substanzen werden nicht benötigt]. Auch die
HTML-Validierung der von den Medien gelieferten Seiten zeigt, dass man -
technisch - nicht im letzten Jahrhundert lebt. Sondern im Mittelalter.
Dass die Funktionsweise des Web, der Architektur, der eingesetzten
Protokolle, der auf Gegenseitigkeit beruhenden Verhaltensweisen
wichtiger Software-Bausteine äusserst umfangreich - wenn auch in
ausländischer Sprache - dokumentiert wurde, wissen die wenigsten
Medien-Verantwortlichen. Oder es interessiert sie nicht. Auch die nicht, die
die überwiegend nicht immer zuverlässigen Windows-Server der Online-Medien
- man denke nur an grosse Wirtschaftsverlage - betreuen, sichern und warten sollten.
Fehlende robots.txt-Dateien im Stammverzeichnis vieler Medien-Server
erlauben den - glaubt man der weltweit anerkannten technischen Dokumentation,
die alle Web-Vorgänge regelt - ungehinderten Zugriff auf jede beliebige
Seite, auch wenn Klageschriften darauf nicht eindeutig hinweisen.
Verantwortliche im letzten Jahrhundert etablierter Medienkonzerne sehen sich
auch heute gerne als Medien-Zaren. Was aus dem berühmtesten aller Zaren wurde,
ist ebenfalls, wenn auch nicht so schlüssig und präzise wie das Internet,
dokumentiert.
Eine Quellen-Übersicht nennt Nachrichten-Quellen,
die heute noch empfohlen werden können. Ein Teil dieser Quellen wird von
mir regelmässig gespidert. Auf der Suchmaschinen-Site, die über die Thematik
der Anmeldung und Optimierung für Suchmaschinen informiert,
finden Interessierte auch regelmässig [unzensierte] Nachrichten über wichtige
Suchdienste.
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